{"id":335,"date":"2019-01-15T10:55:53","date_gmt":"2019-01-15T10:55:53","guid":{"rendered":"https:\/\/dich-mit-stich.de\/magazin\/?page_id=335"},"modified":"2025-09-03T13:16:13","modified_gmt":"2025-09-03T13:16:13","slug":"piercing","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/dich-mit-stich.de\/magazin\/piercing\/","title":{"rendered":"Das Piercing &#8211; Von der Tradition zum Modetrend"},"content":{"rendered":"<p>Wer Piercing h\u00f6rt, hat ein ganz eigenes Bild vor Augen, oft gepr\u00e4gt durch die Modetrends der letzten Jahrzehnte. Sei es das Augenbrauenpiercing eines Punks, <a href=\"https:\/\/dich-mit-stich.de\/magazin\/bauchnabelpiercing\/\">das Bauchnabelpiercing<\/a> von Alicia Silverstone aus dem Musikvideo der Band Aerosmith oder viel gesehene Nasenpiercings. Doch neben allen Modetrends und pers\u00f6nlichem Geschmack hat das Piercing eine lange Geschichte, die weit in die Zeit vor Christi Geburt reicht und kulturell gepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<p><strong>Piercing<\/strong> etablierte sich hier als Begriff Mitte der 1990-Jahre, obwohl die Technik des \u201eDurchbohrens\u201c der Haut und des Anbringens von Schmuck schon viel l\u00e4nger im Trend lag. Beim Piercen werden Haut-und K\u00f6rperstellen durchstochen und K\u00f6rperschmuck aufgesetzt. Hierzulande waren Punks Mitte der Siebziger ein Trendsetter und durchstachen sich Ohren, Lippen, Augenbrauen oder die Wangen und setzten sich dann Ringe, Ketten oder Nadeln an die gepiercte K\u00f6rperstelle. Die Geschichte des Piercings geht jedoch viel weiter und erfreut sich immer gr\u00f6\u00dferer Beliebtheit, inzwischen sind in Deutschland mehr als 5 Millionen Menschen gepierct.<\/p>\n<h3>Traditionelle Piercings haben eine lange Tradition<\/h3>\n<p>Bei Ureinwohnern der Kontinente Asien, Afrika und Amerika gibt es viele \u00dcberlieferungen und Hinweise f\u00fcr eine lange Geschichte des Piercings. So wurde im alten \u00c4gypten etwa 1550 v. Chr. der Trend des Ohrlochstechens gesetzt. Auf den Totenmasken der \u00e4gyptischen Pharaonen sind Ohrl\u00f6cher erkennbar, wie beispielsweise beim Pharao Tutanchamun.<\/p>\n<p>Auch Urv\u00f6lker der anderen Kontinente zeigen Ohrl\u00f6cher, wie die Steinskulpturen der Olmeken aus Mittelamerika oder auch Buddha-Statuen aus Asien. Der Schmuck wurde damals von den Ureinwohnern aus Holz, Knochen, Ton, Perlmutt oder einfachen Metallen hergestellt.<br \/>\nSelbst heute gibt es in Afrika noch traditionelle Piercings, die zum Sch\u00f6nheitsideal geh\u00f6ren. In Afrika weiten bzw. dehnen die Mursi-Frauen ihre durchstochenen Ohrl\u00e4ppchen und Lippen mit traditionellem Schmuck. Bekannt sind die traditionellen Tellerlippen. Hierbei wird Schritt f\u00fcr Schritt das Piercing in der Lippe gedehnt und nach und nach ein gr\u00f6\u00dferer Tellerschmuck eingesetzt. Die Gr\u00f6\u00dfe des Tellerschmucks spielt bei den Frauen eine gro\u00dfe Rolle und verk\u00f6rpert das Ansehen der Frau, je gr\u00f6\u00dfer der Teller, desto h\u00f6her ihr Ansehen.<\/p>\n<p>Im hinduistischen Glauben spielt das Piercing eine wichtige Rolle, so werden bereits Kindern bei sogenannten Karnavedha-Ritual Ohrl\u00f6cher gestochen, diese sollen sie vor Krankheiten sch\u00fctzen.<\/p>\n<h3>Spirituelle Piercings verbunden mit Ritualen<\/h3>\n<p>In einigen Kulturen hat das Durchtossen von K\u00f6rper- oder Hautstellen einen spirituellen Hintergrund und das Piercing findet oftmals in Verbindung mit einem Ritual statt.<br \/>\nIn Thailand oder Malaysia wird bei Festen zur G\u00f6tterbeschw\u00f6rung durch die Teilnehmer selbst \u00fcber Tage hinweg ein Trancezustand herbeigef\u00fchrt, um dann mit Schwertern, \u00c4sten oder anderen Gegenst\u00e4nden ihre Wangen, Zungen oder andere Stellen des K\u00f6rpers zu durchsto\u00dfen und G\u00f6tter zu beschw\u00f6ren oder Geister fern zu halten.<\/p>\n<p>Auch bei Indianer-St\u00e4mmen sind Piercing-Rituale bei Zeremonien \u00fcblich. Hierbei wird den T\u00e4nzern w\u00e4hrend des Rituals an R\u00fccken und Brust die Haut durchstochen und danach \u00fcber diese Piercingstellen Schn\u00fcre gezogen und miteinander verbunden. Die Schn\u00fcre der T\u00e4nzer f\u00fchren an einem Baum zusammen, an dem diese vier Tage ausharren und tanzen.<\/p>\n<h3>Modeph\u00e4nomen Piercing in der westlichen Kultur<\/h3>\n<p>Bis Anfang der 1970er war das Ohrlochstechen und Tragen vom Schmuck im Ohrloch den Frauen vorbehalten. Einzige Ausnahme waren Zimmerm\u00e4nner, die im Rahmen ihrer Ausbildung bei der sogenannten Walz mit einem Zimmermannsnagel ihr Ohr durchstachen.<br \/>\nHippies brachten dann Nasen- und Ohrlochpiercings in den 1960-Jahren aus Indien in die westliche Kultur ein. Sp\u00e4ter galt lange Zeit der Ohrring im rechten Ohr als Erkennungszeichen in der Schwulenszene.<br \/>\nIn Los Angeles er\u00f6ffnete 1975 das erste Piercing-Studio, woraufhin in den 1980-Jahren das Piercing zu einem Trend wurde und sich in Kalifornien verbreitete.<br \/>\nBei uns war es Anfang der 1990-Jahre die Punkszene, die f\u00fcr Piercings in den Augenbrauen, Ohren, Lippen oder Wangen stand. Als neuer Trend in der Jugendkultur etablierte sich das Piercing \u00fcber die Punkszene und dann \u00fcber die Technoszene.<\/p>\n<p>Die Universit\u00e4t Leipzig hat 2017 eine Studie ver\u00f6ffentlicht, nach der rund ein Drittel der Frauen zwischen 14 und 34 Jahren gepierct waren, bei den M\u00e4nnern in dieser Altersgruppe waren es rund 14,4 Prozent, das Piercing hat sich somit als modisch-kulturelles Thema in der westlichen Kultur etabliert.<\/p>\n<h3>Wie kommt Mann oder Frau zum Piercing?<\/h3>\n<p>In Deutschland darf grunds\u00e4tzlich jeder gepierct werden. Da das Piercen rechtlich gesehen eine K\u00f6rperverletzung darstellt, muss vorab eine Einverst\u00e4ndniserkl\u00e4rung unterzeichnet werden (bei Minderj\u00e4hrigen durch die Erziehungsberechtigten) und der Piercer hat eine Beratungspflicht.<br \/>\nBeim Piercing-Stechen wird zun\u00e4chst die K\u00f6rperstelle desinfiziert und eventuell enthaart. Danach markiert der Piercer mit einem Stift die Einstichstelle sowie die Ausgangsstelle und fixiert diese anschlie\u00dfend mit der Piercing-Zange. Da durch die fixierte Piercing-Zange die Piercing-Nadel gef\u00fchrt wird, hat die Zange an der Kopfseite jeweils zwei ringf\u00f6rmige Klemmen. Durch die ringf\u00f6rmigen Klemmen erkennt der Piercer die Markierungen des Stifts und setzt die Piercing-Nadel an, um die jeweilige K\u00f6rperstelle zu durchstechen. Die Nadel hat in den meisten F\u00e4llen einen Plastik- oder Teflon\u00fcberzug, nach dem Durchstechen der Haut wird die Nadel aus dem \u00dcberzug gezogen, um danach den Schmuck durch den gesetzten Stichkanal ziehen zu k\u00f6nnen. Je nach K\u00f6rperstelle wird umliegendes Gewebe mit einem Receiving Tube gesch\u00fctzt, der an der Austrittsstelle der Nadel gegengehalten wird.<\/p>\n<p>Bei Ohrlochpiercings wird oft auch eine Ohrlochpistole benutzt, jedoch nur au\u00dferhalb von Piercing-Studios, da Piercer diese Methode ablehnen, da das Gewebe einrei\u00dfen oder Knorpelstellen splittern k\u00f6nnen. Zudem sind Ohrlochpistolen nicht in G\u00e4nze zu desinfizieren.<br \/>\nDie dritte Methode ist der Dermal-Punch. Prim\u00e4r wird diese Methode genutzt, um gr\u00f6\u00dferen K\u00f6rperschmuck in das Knorpelgewebe zu setzen. Das Gewebe wird dabei mit einer Hohlnadel bis zu einem Durchmesser von 8 Millimetern entfernt und nicht verdr\u00e4ngt, was bedeutet, dass der Heilungsprozess optimiert wird, da eingesetzter Schmuck schlicht und einfach weniger Druck aus\u00fcbt.<br \/>\nEine weitere Methode des Piercens wird in den USA genutzt, hier wird eine Piercing-Nadel mit einem Hohlraum aus angefertigtem Chirurgenstahl benutzt, durch die der Schmuck beim Piercen direkt in das Bindegewebe eingesetzt wird.<br \/>\nNaturv\u00f6lker f\u00fchren ihre Piercings mit Naturmaterialien wir Dornen, Knochen oder sogar Pflanzenenden durch.<\/p>\n<h3>Schmerzen die beim Piercen auftreten k\u00f6nnen<\/h3>\n<p>Eventuelle Schmerzen sind f\u00fcr viele ein wichtiges Thema beim Piercen. Der Reiz wird sehr unterschiedlich wahrgenommen und variiert je nach der <a href=\"https:\/\/dich-mit-stich.de\/magazin\/piercingarten\/\">Piercing-Art<\/a> und der K\u00f6rperstelle.<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich kann beim Piercen bet\u00e4ubt werden. Dies geschieht entweder lokal an der Piercing-Stelle, indem per Spritze ein An\u00e4sthetikum injiziert wird. Diese Form der Bet\u00e4ubung darf nur durch medizinisches Fachpersonal oder einen Arzt verabreicht werden.<br \/>\nDie zweite M\u00f6glichkeit der Bet\u00e4ubung ist eine Oberfl\u00e4chenan\u00e4sthesie mittels einer Salbe oder eines Sprays, welches auf die Haut aufgetragen wird. Dabei gelangt der Wirkstoff in das Schleimhautgewebe, dringt jedoch nicht in tiefere Hautschichten und bet\u00e4ubt damit tats\u00e4chlich nur die Hautoberfl\u00e4che.<br \/>\nBei Piercings wird meistens auf eine Bet\u00e4ubung verzichtet.<\/p>\n<h3>Heilung &amp; Heilungsdauer<\/h3>\n<p>Die Heilungsdauer richtet sich nach dem Piercing und der gepiercten K\u00f6rperstelle sowie dem Schmuckmaterial, der Hygiene und der Pflege und variiert deshalb stark, angefangen von 1 Woche beim Ohrloch-Piercing bis hin zu 12 Monaten bei einem Christina-Piercing (in der Falte der oben zusammenlaufenden Schamlippen).<\/p>\n<p>Hygiene und Sorgsamkeit sind beim Piercen und in der Pflege das A und O.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer Piercing h\u00f6rt, hat ein ganz eigenes Bild vor Augen, oft gepr\u00e4gt durch die Modetrends der letzten Jahrzehnte. 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