Für Piercing-Fans ist das Ohr ein sehr beliebtes Objekt zur Verschönerung. Es bietet viele Möglichkeiten für unterschiedliche Piercing-Arten. Eine davon ist das Anti-Tragus-Piercing. Piercings erlebten vor allem in den 90er Jahren einen starken Aufschwung. Das Anti-Tragus-Piercing war im Vergleich zu anderen Ohrpiercings lange eher selten zu sehen. Es hat keine bekannte historische oder kulturelle Tradition und wird vor allem aus modischen Gründen getragen.
Dieser Artikel gibt einen kompakten Überblick über das Anti-Tragus-Piercing. Er erklärt, wo es gestochen wird, wie die Heilung ablaufen kann und worauf man bei Pflege und Alltag achten sollte. So lässt sich besser einschätzen, ob dieses Piercing zu den eigenen Vorstellungen passt. Die individuelle Beratung durch einen erfahrenen Piercer oder bei Beschwerden durch eine Ärztin oder einen Arzt ersetzt er nicht.
Überblick
- Name: Anti-Tragus-Piercing
- Wo wird es gestochen: in der kleinen Knorpelerhebung gegenüber dem Tragus, oberhalb des Ohrläppchens
- Kosten Piercing: etwa 30 – 60 EUR inklusive Erstschmuck, je nach Studio und Material
- Art: Ohrpiercing (Knorpel)
- Heilungsdauer: meist 6 – 12 Monate
- Schmerzen beim Stechen: eher stark
Der Knorpelteil am Eingang des Gehörkanals ist der Tragus. Die kleine Knorpelerhebung direkt gegenüber, oberhalb des Ohrläppchens, ist der Anti-Tragus. Getragen wird das Piercing meist mit einem Labret-Stecker, später auch mit einem Ring. Für den Anfang eignet sich ein Labret-Stecker besser, weil er weniger in Bewegung ist als ein Ring. Als Erstschmuck ist ein Stab aus Implantat-Titan üblich, der etwas länger gewählt wird, damit die Schwellung Platz hat. Sobald die Schwellung abgeklungen ist, meist nach einigen Wochen, sollte der Piercer den Stab gegen einen kürzeren tauschen. Ein Wechsel auf beliebigen Wunschschmuck ist erst nach der vollständigen Heilung sinnvoll.
So wird das Piercing gestochen
Das Anti-Tragus-Piercing wird durch die Knorpelerhebung oberhalb des Ohrläppchens gesetzt. Aus anatomischen Gründen ist es nicht an jedem Ohr möglich: Ist der Anti-Tragus sehr klein oder flach, rät ein seriöser Piercer davon ab. Gestochen wird mit einer sterilen Hohlnadel, die einen sauberen Kanal durch den Knorpel bildet. Manche Studios bieten stattdessen das sogenannte Punchen an, bei dem ein kleines Stück Knorpel ausgestanzt wird. Das ist ein Eingriff mit eigenen Risiken und gehört ausschließlich in erfahrene Hände. Piercingpistolen sind für Knorpel ungeeignet, weil sie das Gewebe quetschen.
Gesundheitliches Risiko
Wie bei allen Piercings kann sich die Stelle entzünden, wenn Bakterien eindringen. Bei Knorpelpiercings ist das besonders ernst zu nehmen: Eine Entzündung der Knorpelhaut (Perichondritis) heilt schlecht und kann das Ohr dauerhaft verformen. Häufiger sind harmlose, aber lästige Reizknötchen am Stichkanal, umgangssprachlich oft Wildwuchs genannt. Sie entstehen meist durch Druck, Bewegung oder zu langen Schmuck und bilden sich zurück, wenn die Ursache abgestellt wird. Selten können sich Keloide bilden, also überschießendes Narbengewebe. Antibiotika gehören nicht in die normale Piercingpflege. Sie sind Sache einer Ärztin oder eines Arztes, wenn tatsächlich eine Infektion vorliegt.
Schmerzen
Das Schmerzempfinden ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Der Knorpel am Anti-Tragus ist jedoch vergleichsweise dick und fest, deshalb empfinden viele das Stechen als deutlich schmerzhafter als etwa ein Ohrläppchen-Piercing. Der eigentliche Stich dauert nur wenige Sekunden. Danach kann das Ohr einige Tage pochen, warm werden und empfindlich auf Druck reagieren. Ob und wie betäubt wird, sollte vorher mit dem Piercer besprochen werden. Viele Piercer verzichten bewusst auf Kältespray, weil es das Gewebe verhärten kann.
Heilung
Knorpelpiercings heilen langsam. Beim Anti-Tragus sollte man mit etwa 6 bis 12 Monaten rechnen, bei manchen Menschen dauert es auch länger. Äußerlich sieht die Stelle oft schon nach wenigen Wochen ruhig aus, der Stichkanal ist dann aber innen noch nicht verheilt. Durch das Schlafen auf dem Ohr ist das Piercing stundenlang Druck ausgesetzt, was die Heilung verzögert und Reizknötchen begünstigt.
Hilfreich ist, auf der anderen Seite zu schlafen oder ein Reisekissen zu nutzen, sodass das Ohr frei liegt. Wird die Stelle zunehmend rot, heiß, stark geschwollen oder schmerzhaft, tritt Eiter aus oder kommt Fieber hinzu, sollte man zeitnah eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Den Schmuck in diesem Fall nicht eigenmächtig entfernen, weil sich der Kanal sonst über der Entzündung schließen kann.
Worauf man vor dem Stechen achten kann
Nicht jedes Ohr eignet sich gleich gut für ein Anti-Tragus-Piercing. Entscheidend ist, ob die Anatomie die Platzierung zulässt und ob der Bereich im Alltag möglichst wenig Druck bekommt. Wer häufig auf der Seite schläft oder In-Ear-Kopfhörer, Helme oder andere Gegenstände am Ohr trägt, sollte das vorher ansprechen.
Hilfreich ist auch die Frage, ob man die Pflege über viele Monate zuverlässig einhalten kann. Ein Piercing im Knorpel braucht Ruhe und sorgfältige Behandlung. Vor dem Stechen ist es deshalb sinnvoll, sich in einem Studio mit gutem Ruf beraten zu lassen, auf sterile Einmalnadeln und hochwertigen Erstschmuck zu achten und offene Fragen direkt zu klären.
Pflege
Für die Pflege gilt heute: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Bewährt hat sich, die Stelle ein- bis zweimal täglich mit steriler Kochsalzlösung (0,9 %) zu spülen, etwa aus einem Wundspray, und danach vorsichtig mit sauberem Einmalpapier trocken zu tupfen. Den Schmuck dabei nicht drehen oder hin- und herschieben, das reizt den frischen Kanal nur zusätzlich. Alkohol, Wasserstoffperoxid, Teebaumöl und Salben sind für die tägliche Pflege ungeeignet. Hygiene ist wichtig: das Piercing nur zur Pflege anfassen, vorher immer die Hände waschen und Haarspray, Parfüm und ähnliche Produkte vom Ohr fernhalten. Hat der Piercer eine eigene Pflegeanleitung mitgegeben, lohnt es sich, sie bei Unklarheiten direkt mit ihm durchzusprechen.
Typische Fehler bei der Heilung
Ein häufiger Fehler ist, das Piercing unnötig oft zu berühren oder am Schmuck zu drehen. Auch Druck auf das Ohr, zum Beispiel beim Schlafen oder durch Kopfhörer, kann die Heilung erschweren. Wer den Erstschmuck nicht rechtzeitig kürzen lässt, zu früh auf Wunschschmuck wechselt oder Reizungen ignoriert, riskiert, dass die Stelle immer wieder gereizt wird.
Wichtig ist daher, dem Piercing in der Heilungsphase möglichst wenig Stress zuzumuten. Das bedeutet vor allem: sauber halten, vorsichtig sein und Veränderungen am Ohr aufmerksam beobachten. Wenn Unsicherheit besteht, ist es besser, fachkundig nachzufragen, statt selbst zu experimentieren.
Kurz zusammengefasst
Das Anti-Tragus-Piercing ist ein auffälliges Ohrpiercing im Knorpelbereich und nicht an jedem Ohr möglich. Viele empfinden das Stechen als schmerzhaft, und die Heilung braucht mit meist 6 bis 12 Monaten viel Geduld. Wer sich dafür entscheidet, sollte auf ein seriöses Studio, hochwertigen Erstschmuck, schonende Pflege mit Kochsalzlösung und möglichst wenig Druck auf das Ohr achten.
Bei zunehmender Rötung, Wärme, starken Schmerzen, Eiter oder Fieber sollte man nicht abwarten, sondern die Stelle zeitnah ärztlich untersuchen lassen.



